Der Winter regierte in diesem Jahr mit trostlosem Grau in Grau. Das Thermometer sank auf den Gefrierpunkt herab. Ein Januartag, an dem es einfach nicht hell werden wollte. Auf den Wiesen lag Rauhreif, und Cornelia schlitterte ein wenig auf der Außentreppe, als sie frühmorgens den Müll heruntertrug. Unwillkürlich zog sie die Weste etwas enger. Sie fröstelte und konnte nicht schnell genug in die Wärme des Hauses zurückkehren. Das Neonlicht in der Küche tat ihren müden Augen weh. Sie hatte schlecht geschlafen. Peter war erkältet. Sein chronischer Husten ließ nicht nach, trotz Einnahme des vielgepriesenen Hustensaftes, der einen ruhigen Schlaf bewirken sollte. Jetzt brühte sie sich einen starken Kaffee, der hoffentlich ihren Kreislauf auf Touren brachte.

„Ach, tut das gut“, sagte sie laut, als sie schluckweise trank. Sie war gerade dabei, einen Toast zu buttern, als das Telefon klingelte.

„Ausgerechnet jetzt ...“, murmelte sie ungehalten. Wer rief da in aller Herrgottsfrühe an? Am anderen Ende hörte sie eine aufgeregte Stimme:

„Cornelia, Cornelia, bist du es?” Eine Stimme, die sie im ersten Moment nicht erkannte, sich dann aber als die einer Freundin entpuppte.

„Ist etwas passiert, Margit? Du klingst ja ganz verstört?“

„Stell dir vor, ich habe soeben die Zeitung gelesen.“

„Ja, und weiter? Was hat dich so aus der Fassung gebracht, Margit?“

„Ein langer Artikel über dein Buch.“

„Das ist doch prima – sogar ein Grund zur Freude. Wieso regst du dich auf?“

„Du bist gut! Natürlich rege ich mich auf, und zwar über den Inhalt, Cornelia.“

Jetzt fuhr auch Cornelia ein Schreck durch die Glieder.

„Also, rede schon, Margit! Was hat man geschrieben?“

„Diese Kritik ist ein unverschämter totaler Verriß. Ich kann mich nicht beruhigen! Der Typ geht nicht einmal auf die Fakten des Krieges ein, die Bombennacht in Dresden und ihre Folgen erwähnt er gar nicht. Diese rote Socke von Journalist hat sich an der Beschreibung deiner Person aufgegeilt, und das Bodenloseste ist, wie er die Stasi verklärt, als ob es sich um eine Heilsarmee gehandelt hätte. Ich fasse es nicht! Nein, da hört doch alles auf. Dem werde ich vielleicht die Meinung sagen. Was meinst du?“

„Solange ich den Artikel nicht gelesen habe, kann ich mich schwer dazu äußern. Aber es steht dir natürlich frei, deine Meinung kundzutun.“

„Na, Gott sei Dank!“ schnappte sie aufgebracht.