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Trauerarbeit beim Schreiben

"Eine Träne im Ozean" lautet der Titel des neuen, noch ganz druckfrischen Buches aus der Feder von Brigitte Sattelberger, das beim Literaturzirkel in Altstadt von der Autorin selbst vorgestellt wurde.

von SZ- Mitarbeiter Martin Baus

Altstadt. Grauer November, sich zu skelettähnlichen Gerippen verkahlende Bäume, nebelverhangene, düstere Tage, überhand nehmende Dunkelheit, selbst die Feiertage sind nur von Tod und Trauer bestimmt. Passend dazu war der Leseabend, zu dem der Literarische Arbeitskreis der Altstadter Volkhochschule eingeladen hatte. "Eine Träne im Ozean" lautet der Titel des neuen, noch ganz druckfrischen Buches aus der Feder von Brigitte Sattelberger, das beim Literaturzirkel jetzt von der Autorin selbst vorgestellt wurde. "Eigene Erlebnisse haben diese Texte nachhaltig beeinflußt und geprägt", führte die in Dresden geborene, aber schon seit 1957 im Saarland beheimatete Schriftstellerin aus. Nach dem Tod ihres Mannes sei sie in ein tiefes Loch gefallen. "Das Schreiben hat mir geholfen, die Trauer besser zu verarbeiten." Trotzdem sei kein deprimierendes Buch entstanden, vielmehr fänden sich in den Erzählungen und Gedichten immer wieder Hoffnungsschimmer. "Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die sich nicht greifen oder begreifen, nicht verstehen lassen", sagte Brigitte Sattelberger, "deshalb verdrängen die Menschen sie oft." In ihren Büchern schaffe sie dieser Problematik Platz. Die Botschaft dahinter soll eins klar machen: daß das Leben auch nach schmerzhaften Verlusten weitergehe, daß es keinen Sinn mache, Schmerz zu verdrängen, weil er sonst später doch noch viel stärker zurückkomme. So erinnert sie sich stets von Neuem an die Alltäglichkeiten und die Spuren, die zurückgeblieben sind - die Birken, Lärchen und Tränenkiefern, die ihr Mann vor vierzig Jahren gepflanzt hat und die jetzt, nach seinem Tod, sich prächtig präsentieren. Und natürlich erinnert sie sich auch der vertrauten Zwiegespräche, die sie gedanklich weiterführt, obwohl der Gegenüber nicht mehr da ist. "Wie sehr ich den November stets gehaßt habe, brauche ich dir nicht zu erzählen. Er ist für mich der Monat des Sterbens der Natur. Kein Monat bringt mir die Tristesse so nahe, weist auf den eigenen Tod und den meiner Lieben hin wie er", schreibt sie etwa unter der Überschrift " Ein anderer Blick" in direkter Anrede an den Verstorbenen. Das Bedürfnis zu schreiben kennt die gebürtige Dresdnerin von Kindestagen an.

Die Bombardierung ihrer Heimatstadt erlebte sie als zwölfjährige, ein Trauma, das sie bis heute nicht losläßt, sondern gefangen hält. Ihr Großvater starb unter einer einstürzenden Mauer, schützte aber ihr Großmutter unter seinen Armen. "Er hat auch mein Leben gerettet, weil er mich von sich weggestoßen hat und ich so nicht tödlich getroffen wurde", erinnert sich Brigitte Sattelberger. Dieses Erlebnis habe sie nie vergessen. Im Roman "Dresden mon amour" hat sie den Versuch einer Verarbeitung unternommen und auch in ihrem jüngsten Buch wird es in der Geschichte "Vorahnung?" rekapituliert. Fünf Romane hat Brigitte Sattelberger veröffentlicht. "Eine Familiensaga", nennt sie die Autorin. "sie schildern Frauenschicksale. Sie sind fiktiv, beruhen aber dennoch auf wahren Begebenheiten." Denn Brigitte Sattelberger hat viel erlebt: Ihre Flucht aus der DDR im Jahr 1957 ist nur eines der prägenden Erlebnisse. "Ich möchte den Lesern das Leben nahe bringen, so wie es ist", sagt sie. "Dazu gehört auch die Tatsache, daß es nicht immer gut ausgeht. Schmerz und Kummer gehören dazu."

"Eine Träne im Ozean" ist erschienen im St. Ingberter Empedokles-Verlag, enthält Kurzprosa, Gedichte und Erzählungen. Illustriert wurde es von Edith Harner. Elf Euro.

Homburger Rundschau - SZ - Kultur Regional

Donnerstag, 11. November 2004

 


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