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Das Leben schreibt Geschichten

Nach dem Dresden-Buch: Brigitte Sattelbergers Werk „Das geschenkte Jahr"

 Geschichten, die das Leben schreibt, sollten auch festgehalten werden — das ist ihre Auffassung, und so bemüht sie sich, danach zu handeln. Brigitte Sattelberger, 1933 in Dresden geboren, durch „Republikflucht" aus der damaligen DDR nach Saarbrücken geraten, wo sie dann geblieben ist und einen Saarländer heiratete, hat jetzt ihr zweites Buch vorgelegt: „Das geschenkte Jahr". Vorausgegangen war vor über einem Jahr ihr Roman „Dresden — mon amour", der gerade richtig zum 50. Jahrestag der Zerstörung ihrer Heimatstadt durch einen verheerenden Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg erschienen war.

Vermittelte das umfangreiche, stark persönlich gefärbte Erstlingswerk der Autorin Eindrücke vom Untergang des vielgerühmten „Elbflorenz", den sie hautnah miterlebt hat und auch vom Leben in der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR, so führt der neue, weniger breit angelegte Roman in ein völlig anderes Milieu.

Er spielt in Davos vor hundert Jahren, in einem Kreis von Menschen, die in dem gesunden Gebirgsklima der schweizerischen Kurstadt Heilung von der Tuberkulose suchten, und sich bestenfalls mit einer begrenzten Lebensverlängerung begnügen mußten.
 


Auch in diesem Fall handelt es sich um eine Geschichte, die das Leben schrieb. Brigitte Sattelberger knüpft an Begebenheiten an, die sich tatsächlich zugetragen haben — in ihrer eigenen Verwandtschaft. Da erkrankte zu Beginn dieses Jahrhunderts in Dresden eine junge Frau an der „Schwindsucht", wie die einem Todesurteil gleichkommende Krankheit damals meist bezeichnet wurde. Ihr Schicksal hat die Autorin aufgegriffen. Eine an merkwürdige Bedingungen geknüpfte Erbschaft ermöglichte der Kranken einen Kuraufenthalt in Davos, der ihr zwar keine Gesundung brachte, aber ihr immerhin noch ein Lebensjahr „schenkte". In ihrer Hinterlassenschaft fand sich ein Päckchen mit Briefen, die sie in Davos an ihre Schwester geschrieben, aber niemals abgeschickt hatte.


Brigitte Sattelberger erinnert sich: Schon in ihrer eigenen Kinderzeit wurde des öfteren in der Familie über das Schicksal der Verwandten und ihren Nachlaß gesprochen. Die Großmutter verwahrte diese Briefe, die dann allerdings bei dem schweren Luftangriff verbrannten. Das Thema hat sie aber nicht losgelassen, und so hat sie nun das, was ihr von den Erzählungen im Elternhaus noch in Erinnerung war, verbunden mit selbst in Davos gewonnenen Eindrücken und

Hinweisen auf das dortige Leben um die Jahrhundertwende zur Grundlage ihres zweiten Romans gemacht. So entstand „Das geschenkte Jahr". (Freiburger Echo-Verlag, 148 S., 19,80 DM.

Mit ihrem Dresden-Buch hat die Wahl-Saarbrückerin inzwischen mehrfach Lesungen in ihrer sächsischen Heimat ge-
halten und ist dort auch im Fernsehen und im Hörfunk in Erscheinung getreten. In ihrem Heim im Stadtteil Klarenthal stand die Schreibmaschine auch nicht still: „Das dritte Buch ist schon fertig", berichtete die Autorin, die den „Stoff" dazu erneut in einer Begebenheit im familiärem Bereich gefunden hat. ds

Brigitte Sattelberger mit ihrem zweiten Werk in ihrer Klarenthaler Wohnung.
 

Foto: FA-Press
 

 


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