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„Mon amour" - Gedanken
an eine Dresdner Kindheit

Von PIA LUCCHESI

Fest hält Brigitte Sattelberger (61) das dicke, hellblaue Buch in ihren Händen. „Dresden mon amour", heißt es. Es ist ihr Lebenswerk. In ihm schrieb sie ihre Erinnerungen an den Bombenangriff auf Dresden, ihre Kindheit in den Ruinen und ihre Flucht vor der Stasi nieder.

Brigitte Sattelberger - ein deutsches Frauenschicksal: 1933 wurde die heute in Saarbrücken lebende Rentnerin in Dresden geboren. Beim Angriff traf eine Bombe ihren Luftschutzkeller. Der Großvater starb. „Wir mußten ihn und alle Verschütteten liegen lassen. Noch heute höre ich im Traum die Hilferufe," erzählt sie unter Tränen. Die damals Zwölfjährige erlebte Hunger, Kälte, sah Tausende Tote.

Um dieses Trauma loszuwerden, begann die Handelskauffrau in den 60er Jahren, das Erlebte aufzuschreiben. „Ich hatte zwar keine Erfahrung mit dem Schreiben. Doch ich spürte, nur so kann ich mir die Last von der Seele nehmen." Auch die Machenschaften der Stasi. Die erpreßte nämlich die schwerkranke Asthmatikerin: Für eine lebenswichtige Kur sollte sie Kollegen bespitzeln. Frau Sattelberger: „Ein Nervenkrieg." Konsequenz: 1957 floh sie in den Westen.

Nachdem viele Verlage ihr Buch abgelehnt hatten, legte sie es zunächst beiseite. Erst 1986 begann sie mit einer Überarbeitung. Beim Freiburger Echo Verlag fand sie schließlich eine Heimat für das Werk (471 Seiten, 49,80 Mark). Im Rahmen von landesweiten Lesungen kam sie jetzt auch zum ersten Mal in „ihr" Dresden zurück. Die Zuhörer reagierten mit Betroffenheit: „Ältere erlebten die schwere Zeit noch einmal", sagt Brigitte Sattelberger. „Für die jungen Leute war es eine Begegnung mit der Geschichte".


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