Kapitel 19 Verrückt genug...

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„Frank“, sagte sie leise.

„Ja?“

„Wenn du in meinem Angebot keine Zweideutigkeit siehst, schlage ich vor, du legst dich neben mich. Das Bett ist groß genug, und du hast Schlaf nötig. Es ist halt eine besondere Nacht.“

„Ja, da hast du recht. Dein Angebot nehme ich gern an, Cornelia. Im Sessel merkt man halt, daß man keine zwanzig mehr ist.“

Frank legte sich mit entsprechendem Abstand neben sie. Er tastete nach ihrer Hand, hielt sie einen Moment fest und sagte: „Danke und gute Nacht.“

Cornelia drehte sich zur Seite und löschte das Licht.

Sie spürte, wie er sich ihr noch einmal zuwandte und einen zärtlichen Kuß auf ihr Haar drückte.

Sie atmete ruhig und regelmäßig durch, als sei sie bereits eingeschlafen. Daraufhin drehte sich Frank zur Seite und löschte ebenfalls das Licht.

Sie legte sich in Morpheus Arme.

Ihr kleiner Reisewecker schlug an, es war 7:00 Uhr, und das Bett neben ihr leer. Auch im Zimmer gab es keine Spur von Frank. Aber ein Zettel lag auf dem Nachttisch:

„Liebe Cornelia, ich muß dringend etwas erledigen und erwarte dich im Frühstücksraum. Bis dann, Frank.“

Es war ihr recht. So konnte sie sich in aller Ruhe anziehen und reisefertig machen. Mit ihrem Köfferchen erschien sie später im Frühstücksraum, wo Frank bereits wartete. Galant rückte er ihr den Stuhl zurecht:

„Guten Morgen, Cornelia.“

„Guten Morgen, Frank. Schön, dich noch zu sehen. Wann beginnt eure Tagung?“

„8 Uhr 30. Bist du mir böse, wenn ich dich nicht zum Zug begleiten kann, Cornelia?“

„Sollte ich?“

„Nein!“

„Na, also! Ich nehme mir ein Taxi, ist doch klar, Frank.“

„Es war wunderbar, daß wir uns gesehen haben, Cornelia. Ich wünsche dir weiterhin alles, alles Gute und viel Erfolg. Und noch etwas ...“

„Was?“

„Bleib, wie du bist, eine wundervolle Frau, eine Grande Dame.“

„Danke, Frank. Und jetzt verabschieden wir uns gleich ohne weiteres Zeremoniell, einverstanden ?“

„Einverstanden.“

Frank hob ein letztes Mal ihre Finger an seine Lippen und sagte zärtlich: „Servus.“

Dann wandte er seine Schritte Richtung Rezeption.

Als sie wenig später an ihm vorüberging, sah sie ihn umringt von mehreren Geschäftspartnern, die inzwischen eingetroffen waren. Frank nahm ihren Abgang gar nicht mehr wahr. Und das war gut so.

Das Taxi brachte sie zum Zug und der schließlich ihrer Wahlheimat – Saarbrücken – näher. München, Mannheim, alle Stationen, die hinter ihr lagen, hatten ihren eigenen Reiz, aber auch das Heimkommen.

Peter schien, wie so oft in letzter Zeit, die ganze Nacht gearbeitet zu haben: die Rollos waren noch heruntergelassen, tiefste Ruhe herrschte im Haus.

Auf dem Eßzimmertisch stand eine einzelne dunkelrote Rose zu ihrem Empfang. Ein Kärtchen lehnte an der Vase:

„Ich liebe dich und gratuliere dir zu deinem Erfolg.“

Cornelia empfand diese Geste als wohltuend. Am Nachmittag würden sie vielleicht gemeinsam zu Giuseppe auf die Berliner Promenade gehen, einen Cappuccino trinken und mit Freunden plaudern. Wenn sie Glück hatte, fiel ihr bei dieser Gelegenheit der Anfang ihres nächsten Romans ein.