Kapitel 19 Verrückt genug...

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„Das sagt sich so leicht, Frank. Ich gebe zu, die Angst, daß die Zeit knapp wird, treibt mich zur Eile. Die Angst, daß ich nicht alle die Gedanken zu Papier bringen kann, die in mir sind und unbedingt aufgeschrieben werden müssen. Es ist so vieles, was mir durch den Kopf geht. Ich kann das Schicksal nur bitten, mir gnädig zu sein und mir genügend Zeit zu geben, um meine Vorhaben zu vollenden. Weißt du, wenn jemand in meinem Alter einen Blick in die Vergangenheit riskiert und darüber schreibt, führt der Weg unweigerlich an vielen, vielen Gräbern vorbei.“

„Dann beginne dich von der Vergangenheit zu lösen. Schau einfach in die Zukunft. Du hast stets gekämpft. Also bleibe Optimistin, deinen Leserinnen und Lesern zuliebe. Ich möchte behaupten, die Schreiberei ist für dich Berufung, der du einfach nicht davonlaufen kannst. Du bist ihr auch verpflichtet.“

„Wahrscheinlich hast du recht.“

„Und wie soll dein nächster Roman heißen? Ich meine, hast du schon einen Titel dafür?“

„Ja, er heißt ‚Nur wer verrückt genug ist, sollte Schriftstellerin werden’.“

„Wie treffend, der Titel gefällt mir, und das Buch wird ganz sicher ein Bestseller.“

„Dein Wort in des Schicksals Ohr, Frank.“

Cornelia schaute auf ihre Armbanduhr.

„Mein Gott, weißt du eigentlich, wie spät es ist?“

„Ja, es geht auf 3:00 Uhr morgens zu. Es war eine der spannendsten und aufregendsten Nächte, die ich in letzter Zeit erlebt habe, Cornelia. Eine Nacht, die ich bestimmt nicht vergessen werde. Ich glaube, wie überhaupt alles, was mit dir zusammenhängt.“

„Laß so etwas bitte nicht deine Frau hören!“

„Keine Sorge, das bleibt tief hier drinnen“, und er zeigte dabei auf sein Herz.

„Weißt du, daß ich plötzlich hundemüde bin, Frank?“

„Kein Wunder! Ich schlage vor, du legst dich sofort hin. Dann kannst du wenigstens drei bis vier Stunden ruhen. Mein Bett steht dir selbstverständlich zur Verfügung.“

„Und du?“

„Ich schlafe hier in diesem Sessel. Er ist weich und bequem.“

Es dauerte keine Viertelstunde, und sie streckte ihre müden Glieder in dem herrlich breiten Bett aus.

Frank stand in der Zwischenzeit auf dem Balkon und rauchte eine Zigarette. Anschließend begab er sich ins Bad. Sie hörte, wie er die Brause aufdrehte, duschte und die Zähne putzte. Dann versuchte er, es sich in dem Sessel bequem zu machen. Cornelia begann innerlich zu kichern. Irgendwie kam ihr die Situation lächerlich vor. Das Bett war riesig; Frank hatte einen anstrengenden Tag vor sich, sollte sie ihm da nicht die andere Hälfte des Bettes anbieten? Verrückte Situationen verlangen manchmal auch verrückte Entscheidungen, überlegte sie.