Kapitel 19 Verrückt genug...

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„Sie können sich darauf verlassen, daß ihre Freundin die Nachricht erhält, Frau Schorn“, meinte er.

Sie war erstaunt, daß er sich ihr Gesicht und den Namen eingeprägt hatte und bedankte sich.

Das Gespräch dauerte nahezu eine Stunde. Auch die Fotografin war bald zur Stelle, sie führte Cornelia in den kleinen Garten des Hauses, um die benötigten Fotos zu schießen. Alle drei Frauen verstanden sich auf Anhieb. „Es ist alles im Kasten“, schloß die Fotografin die Fotosession ab.

„Ich wünsche Ihnen eine gute Heimreise, Frau Schorn. Ich verspreche Ihnen, sobald der Artikel gedruckt ist, schicke ich Ihnen zwei Zeitungen als Belegexemplare.“

„Vielen Dank für alles, Frau Venturini. Ich habe mich über Ihre Bekanntschaft gefreut. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg in Ihrem Beruf.“

Traudel saß bereits in der Empfangshalle – der Nachmittag gehörte auf alle Fälle ihnen.

Die Abreise rückte näher. Alle bedauerten den auch diesmal wieder viel zu kurzen Aufenthalt von Cornelia.

Sie selbst wäre gern noch geblieben, aber sie wußte, Peter wartete daheim auf sie.

Die Presse brachte mehrere große Artikel mit Fotos von Cornelia. Überhaupt waren die Journalistinnen, die sie auf ihrer Reise getroffen hatte, interessiert und aufgeschlossen gewesen. Zwei Radiosender berichteten über Cornelias Buch. In Dresden gab es sogar vom Sender eine Verlosung, wo ihr Buch als Preis vorgesehen war. In den folgenden Wochen bemühte sich Cornelia unermüdlich per Anschreiben bei Gemeinden, Kulturinstitutionen und Volkshochschulen um eine Lesemöglichkeit. Die harte Arbeit wurde schließlich durch mehrere Einladungen belohnt. Unterstützung von ihrem Verleger erhielt sie dabei keine. Sie mußte alles selbst organisieren: Einladungen und Plakate entwerfen, Vervielfältigung und Verteilung betreiben.

Ein halbes Jahr später schon erschien Cornelias zweiter Roman, herausgegeben vom gleichen Verlag. Das Buch wurde ein Erfolg in Deutschland und der Schweiz. Aber der große Durchbruch ließ auf sich warten.

Trotzdem: Buchhandlungen, die ihr erstes Buch verschmäht hatten, streckten nun alle zehn Finger danach aus. Wenn sich Cornelia früher bei der Vorsprache in den Buchläden gönnerhaft behandelt fühlte durch Entgegnungen wie:

„Wenn Sie unbedingt wollen, können Sie uns ja mal zwei Exemplare in Kommission vorbeibringen. Das machen andere auch ...“,

oder in einer anderen Buchhandlung gesagt bekam:

„Für Ihre Werke besteht bei uns kein Bedarf ...“,

und das nach einer halben Stunde Wartezeit, hatte sie wütend das nächstbeste Café gestürmt. Sie bestellte zwei Stück Sahnetorte und Kaffee, sie, die selten Süßes aß, verschlang die Kalorienberge mit großer Hast, worauf ihr regelmäßig speiübel wurde. Mit dem Kuchenrest auf der Gabel packte sie dann die bösartige Lust, ihn in die Luft zu schleudern. Sie tat es nicht.

Cornelia war eine durch ihre Kindheit und das Elternhaus sehr geprägte Frau. Liebe, Siege, Krankheit, die damit verbundenen Kämpfe, Niederlagen, alles hatte sie auf dem Hintergrund der Kindheit annehmen und bestehen können. Sie kam zu der Überzeugung, daß ihr als Frau der Kampf nicht verwehrt war, daß er sich lohnte, aber sie wollte sich mit weiblichem Charme und den Waffen einer Frau für ihr Buch einsetzen.