Kapitel 18 Eine Journalistin nach Wunsch

Kapitelübersicht

„Haben Sie noch so viel Zeit, daß wir wenigstens ein KurzInterview machen können, Frau Schorn?“

„In Ordnung, mein Begleiter steht allerdings vorm Haus im Halteverbot, glaube ich. Ich kann ihn daher nicht allzulange warten lassen, wir werden in Seiffen auch erwartet.“

„Selbstverständlich. Kann ich Sie in Seiffen telefonisch erreichen, um Ihnen ein paar Fragen zu stellen?“

„Ich gehe nach unten und lasse mir die Telefonnummer von meinem Begleiter geben, wenn wir es so machen wollen.“

Cornelia spurtete zum Auto und Heinz notierte die Rufnummer auf einem Zettel. Den übergab sie der Journalistin.

„Ich möchte mich vielmals für Ihr Kommen bedanken und wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihren Lesungen, und überhaupt ...“, waren ihre abschließenden Worte.

Sie reichten einander die Hand, und Cornelia spürte das Band der Sympathie. Auch die übrigen Kollegen bedachte Cornelia mit einem freundlichen Abschiedsgruß. Sie war bereits an der Tür, als Frau Venturini ihr nachrief:

„Gute Fahrt und viel Glück.“

Cornelia fuhr mit dem Lift nach unten.

„Hat alles geklappt?“ wollte Heinz wissen, als sie im Auto saß.

„Ja, die Journalistin war sehr nett und aufgeschlossen. Sie möchte einen Artikel mit Bild bringen. Wahrscheinlich wird sie morgen anrufen, um noch kurze Fragen zu stellen und Lücken zu schließen.“

Der Weiterfahrt stand nun nichts mehr im Wege. Es begann wieder stärker zu regnen, Heinz betätigte den Scheibenwischer.

„Weißt du eigentlich, wie lange dein letzter Besuch bei uns zurückliegt, Cornelia? Fünf Jahre, eine Ewigkeit.“

„Ja, ich erinnere mich genau. Es war ein Jahr nach der Wende. Deine Mutter lebte damals noch.“

„Stimmt! Du wirst dich wundern, wieviel sich in unserem Ort seitdem getan hat.“

Bald aber mußte sich Heinz voll auf den Straßenverkehr konzentrieren. Der Scheibenwischer packte das Naß kaum, das der Himmel in so reichlichem Maße auf sie herniederschüttete. Nebel kam auf, und die Sicht betrug weniger als fünfzig Meter. Obwohl der Kalender Mitte Juni zeigte, beschlich Cornelia das Gefühl, in einen tristen Novembertag hineinzufahren. Nach zweieinhalb Stunden langten sie in Seiffen an. Dagmar stand bereits zum Empfang in der Haustür, als sie den Berg zu ihrem Häuschen hinauffuhren.

„Was bringt ihr für schlechtes Wetter mit“, sagte Dagmar und half Cornelia aus dem Auto, um sie fest zu umarmen.

„Herzlich willkommen. Schön, daß du für ein paar Tage unser Gast sein kannst. Leider wieder nur ein Kurzbesuch, was wir sehr bedauern.“

„Du kennst den Grund, Dagmar. Es geht einfach nicht länger.“

„Ja, ja, der Streß einer erfolgreichen Autorin.“

„Einer Anfängerin“, verbesserte Cornelia.