Kapitel 17 Auf Reisen

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Isolde sah tatsächlich besser aus als am Tag zuvor. Die Augen blickten wieder klarer, worüber sich Cornelia freute.

Nach dem Frühstück rief Cornelia Doktor Friedrich, ihren Lektor an, der schon auf ein Telefonat wartete. Sie verabredeten sich für 11:00 Uhr in der Neustadt, im Cafe Venezia, um den Ablauf des Abends zu besprechen.

Die Verbindung mit der Straßenbahn klappte fabelhaft, und so traf sie überpünktlich am vereinbarten Ort ein. Sie legte ihren Mantel ab und setzte sich an einen der hübsch dekorierten Tische. Wenig später betrat ein Mann das Café. Der Eintretende schaute sich kurz um – das Café zählte um diese Zeit nur wenig Gäste – und kam schnurstracks auf Cornelia zu.

„Guten Tag. Sie sind Frau Schorn, nicht wahr? Ich habe Sie aufgrund Ihrer Fotografie sofort erkannt. Ich bin Walter Friedrich.“

„Guten Tag, Herr Friedrich. Ich freue mich, daß wir uns endlich persönlich kennenlernen.“

Vor ihr stand ein Mann mittlerer Statur, mit dunkelbraunen Augen, glatt nach hinten gekämmten Haaren und einem festen Händedruck ...

Er blickte für einen kurzen Moment nach draußen:

„Hoffentlich bessert sich bis heute abend das Wetter, und es gießt nicht mehr in Strömen. Wie ich Ihnen schrieb, findet die Lesung um 20:00 Uhr im Raum der Bibliothek statt, ganz in der Nähe. Wenn es Ihnen recht ist, übernehme ich die Begrüßung und Vorstellung Ihres Buches. Ich schlage vor, die Lesung selbst auf fünfzig bis sechzig Minuten zu beschränken, um Zeit für eine anschließende Diskussion zu lassen.“

„Ich habe die Passagen laut gelesen und per Stoppuhr festgehalten. Mit der von Ihnen vorgeschlagenen Zeit komme ich aus.“

„Sehr gut, Frau Schorn. Noch eine Bitte: Lassen Sie die Stellen aus, die zu heftigen und vor allem politischen Diskussionen – Stichwort Stasi – führen könnten.“

„Gehe ich recht in der Annahme, daß es bereits Komplikationen gegeben hat? Vielleicht durch eine gewisse Zeitungskritik, oder sollte ich besser sagen, durch einen bestimmten Kritiker? Ich habe mir so etwas bereits gedacht. Allein wenn ich an die vielen TerminVerschiebungen denke, die man mir zugemutet hat, das ist doch sicher nicht üblich. Außerdem bin ich nicht wenig darüber verwundert, daß weder gestern noch heute eine Ankündigung meiner Buchvorstellung in der Zeitung zu finden war. Wozu hat der Vorsitzende Ihres Verbandes dann extra eine Vita, Portraitfoto und anderes von mir erbeten? Ist da etwas gegen mich im Busch? Seien Sie ehrlich.“

Herr Friedrich begann, sich wie ein Aal zu winden, schließlich nickte er.

„Die Zeitungen wurden, so weit mir bekannt ist, informiert, allerdings ohne weitere Angaben erhalten zu haben. Der besagte Kritiker ist ein langjähriger Journalist und zudem ein Mitglied unseres Verbandes.“

Die Angelegenheit war ihm sehr peinlich, mehr wollte er dazu wohl nicht sagen, denn er sprach hastig weiter: „Gehen Sie die Sache ruhig und locker an. Aber das brauche ich Ihnen gegenüber bestimmt nicht extra zu erwähnen, Sie haben ja bereits Erfahrung. Ich denke, es ist somit alles geklärt. Wir sehen uns dann am Abend. Oder gibt es noch Fragen Ihrerseits?“

„Nicht daß ich wüßte, Herr Doktor Friedrich. Es ist alles klar.“