Kapitel 14 Das Erstlingswerk

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Ihre Wangen glühten vom Erzählen. Aber das war es nicht allein, es gab noch andere Gründe für das Gefühl, eine Abkühlung zu brauchen. Sie erhob sich langsam, streckte sich und ging zur Balkontür des Zimmers. Die frische Nachtluft tat gut, und sie atmete tief durch. Der Mond schaute in seiner vollen Rundung auf Frank und sie nieder, und Millionen von Sternen schickten ihre Grüße. Es war so still, so friedlich da draußen. Schwer vorstellbar, daß die Welt gar nicht so friedfertig war, daß Menschen selbst in dieser scheinbar ruhigen Nacht bedroht waren von Unfall, Mord, sogar Krieg.

Frank war hinter sie getreten und hielt sie leicht umfangen. Seine Lippen berührten sacht ihr Haar. Seine Nähe empfand sie aufregend, erweckte verloren geglaubte Wünsche. Schließlich fanden sich ihre Lippen zu einem langen, zärtlichen Kuß. Die Stimmung brach durch ein Klopfen an der Zimmertür, was sie erschreckt auseinanderfahren ließ. Der Kellner brachte den Kaffee und das Mineralwasser, und Cornelia begab sich auf ihren Platz zurück. Von einer Kirchturmuhr schlug es Mitternacht, als sie erneut den roten Faden ihrer Geschichte aufnahm.

„Das ist ja stark, Cornelia. Aber eine solche Offensive, wie du sie an den Tag gelegt hast, würde ich mir nicht zutrauen.“

„Weißt du, ich mußte dazu über meinen eigenen Schatten springen, und meinen Stolz, meine Angst aufgeben. Ich hatte keine andere Wahl, wenn ich mein Ziel erreichen wollte, mein symbolisches Kind laufen zu sehen.“

„Trotzdem, was für eine Kraft und Ausdauer! Wie wäre es jetzt mit einem Kaffee, Cornelia?“ unterbrach sie Frank. „Oder möchtest du lieber Wein?“

„Nein, auf keinen Fall! Alkohol ist für mich leider tabu, wegen meiner Allergie. Kaffee ist eine gute Idee. Ich merke, mein Mund ist völlig trocken. Du bist ein Schatz, Frank. Bestell mir bitte gleich ein Kännchen und ein Wasser.“