Kapitel 13 Ein unverhofftes Wiedersehen

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Es war kurz vor Mannheim; sie langte gerade bei ihren ersten Bemühungen an, ihr Buch zu bewerben und Rezensionen zu erhalten, als Frank sie unterbrach:

„Wirst du zuhause erwartet, Cornelia? Ich würde mir so gern den weiteren Verlauf bis zum Schluß anhören, denn ich möchte alles von dir wissen.“

„Jein! Ich bin einen Tag früher dran als vorgesehen. Das heißt, meine Rückreise war ursprünglich für morgen geplant. Warum fragst du?“

„Bitte Cornelia, steig mit mir in Mannheim aus. Ich habe heute keinen Termin, also den restlichen Tag und Abend für uns frei. Das Wirtschaftstreffen, zu dem ich fahre, beginnt erst morgen. Wir können zusammen zu Abend essen und reden. Wenn du willst, sogar die ganze Nacht.“

„Ich weiß nicht, Frank.“

„Wann wird sich uns noch einmal eine solche Gelegenheit bieten? Bitte, sag einfach ja, Cornelia. Bitte!“

Sie war unschlüssig. Wie sollte sie sich entscheiden? Natürlich wäre es schön, diesen Tag mit Frank zu verbringen, aber ... Sie konnte sich nicht erinnern, in den letzten vierzig Jahren eine derartige Spontaneität an den Tag gelegt zu haben. Viel Zeit zum Überlegen blieb nicht. He, worauf wartest du, ermunterte sie sich. Du willst doch mit ihm zusammen sein. Oder? Ja, sie wollte und sagte deshalb leicht hektisch:

„Dann müssen wir uns aber mächtig beeilen. Mein Gepäck ist im Abteil einige Wagen weiter.“

„Heißt das, du bist einverstanden und sagst ja?“

„Wer kann deinen bittenden Augen schon widerstehen, Frank Mayer mit ay?“

„Ich freue mich riesig und danke dir. Du wirst es nicht bereuen, das verspreche ich dir.“

„Das will ich hoffen!“

Er küßte ihre Finger, bezahlte die Rechnung für beide, und dann stürmten sie durch die Waggons bis zu ihrem Abteil. Sie raffte ihr Gepäck zusammen und verließ mit Frank in Mannheim den Zug. Als sie aus dem Bahnhofsgebäude heraustraten, rief Frank ein Taxi und half ihr beim Einsteigen. Zärtlich legte er seinen Arm um ihre Schulter, und sie durchrieselte ein wohliger Schauer. Sie fühlte sich in diesem Moment sehr jung und unternehmungslustig, so daß sie sich ermahnte: Achtung, Achtung, liebe Cornelia!

„Ist es dir recht, wenn wir gleich ins Hotel fahren und erst einmal unser Gepäck loswerden? Im Excelsior ist für mich ein Zimmer reserviert.“

„Ein vornehmes Haus, Frank.“

„Ja. Wir können uns dort im Restaurant, Lesezimmer oder an der Bar aufhalten, ganz wie du willst. Oder schenkst du mir so viel Vertrauen, mit auf mein Zimmer zu kommen? Dort sind wir natürlich ungestörter bei unserer Unterhaltung.“

„Hättest du mir dieses Angebot vor dreißig Jahren gemacht, wären bei mir sämtliche Alarmglocken in Aktion getreten, du hättest ein entrüstetes Nein als Antwort erhalten. Heute bin ich davon überzeugt, daß ich mich dir anvertrauen kann.“