Kapitel 13 Ein unverhofftes Wiedersehen

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Als der Ober das Gericht für Frank brachte, erhielt sie ihren bestellten großen Kaffee.

„Zwei Löffel Zucker und zweimal Sahne, gell?“

„Das weißt du noch, Frank?“

„Ja, es war zu ungewöhnlich. Deshalb ist es mir wohl im Gedächtnis geblieben.“

Cornelias Lippenstift hatte einen roten Kußmund auf der Tasse hinterlassen. Frank sah es und fuhr gedankenverloren mit dem Finger darüber.

Wie verschieden Männer sein können, dachte sie. Peter haßte derartige Abdrücke und ging stets in die Luft, wenn er ihrer ansichtig wurde. Frank holte sie in die Gegenwart zurück:

„Cornelia, erzähle bitte, wo kommst du her? Warst du auf Lesereise? Ich habe dich neulich sogar im Fernsehen gesehen, in einer Kultursendung. Du hast über die Bombennacht auf Dresden gesprochen. Wie ist es dir in all den letzten Jahren ergangen?“

„Viele Fragen auf einmal. Ich komme gerade aus München, wo ich meinen neusten Roman vorgestellt habe.“

„Bekomme ich ein Exemplar mit Widmung?“

„Gern, Frank. Ansonsten geht es mir gut. Über Langeweile kann ich nicht klagen. Selbst auf der Rückfahrt konnte ich nicht tatenlos herumsitzen. Also habe ich damit begonnen, den steinigen Weg einer Schriftstellerin – wenn du willst meinen Weg, den ich freilich fiktional erzählen werde – nachzuzeichnen. Ich werde immer wieder gefragt, wie man Autorin wird. Es gibt so viele Fabeln darüber, aber authentisch zu schreiben, traut sich wohl kaum jemand.“

„Und da hast du gedacht – ich verstehe! Erzähl bitte von Anfang an, Cornelia, denn mich interessiert auch das kleinste Detail. Vor allem das, was die Zeitungen nicht geschrieben haben.“

„Darf ich erst erfahren, wohin du fährst, Frank? Nicht etwa aus Neugier; ich möchte gern wissen, ob ich es im Telegrammstil oder etwas ausführlicher machen kann.“

„Ich fahre nach Mannheim.“

„Also im Telegrammstil! Ich glaube kaum, daß unsere Zeit ausreicht, um eine Art Lebensbeichte von mir abzulegen.“

„Möglich, aber warten wir es ab. In Mannheim sehen wir dann weiter, Cornelia.“

„Na gut!“

Und Cornelia begann das, was sie ihrem roten Notizbuch in den vergangenen Stunden anvertraut hatte, Frank Mayer zu erzählen. Er hörte ihr aufmerksam zu, ohne sie auch nur einmal zu unterbrechen. Dafür griff er manchmal nach ihren Händen, strich sacht darüber und schaute sie einmal mitfühlend, dann wieder zärtlich an. Schon lange hat mich niemand mehr so angesehen, so umworben, sagte sie sich, als es ihr das Herz erwärmte.