Kapitel 13 Ein unverhofftes Wiedersehen

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Cornelia kam das Du im allgemeinen nicht leicht über die Lippen. Es bedeutete für sie Nähe, besondere Achtung und Vertrautheit. Es mußte verdient werden. Trotzdem fiel es ihr bei Frank nicht schwer:

„Nun übertreibe nicht! Ich habe kurz hintereinander ein paar Bücher geschrieben, und mein letztes scheint sich gut zu verkaufen. Ich weiß nicht einmal, ob zu recht.“

„Sei nicht so bescheiden. Du würdest sogar die Bezeichnung ‚BestsellerAutorin’ verdienen, Cornelia.“

„Ach was, Bestseller werden kaum geschrieben, sondern von großen Verlagen, Zeitungen oder bekannten Kritikern dazu gemacht. Das weißt du sicherlich auch!“

„Bitte, hör auf mit der Tiefstapelei. Du warst nicht nur fleißig, sondern hast literarisch etwas geleistet. Schon dein erstes Buch hätte ein Bestseller werden müssen. Du hast den Verlag schlecht gewählt, das Marketing fehlte und die Kapazität, die Zeichen der Zeit für diesen Roman zu erkennen und zu nutzen, wenn ich das so offen sagen darf. Ich habe deinen Werdegang ziemlich genau verfolgt und alle deine Romane von der ersten bis zur letzten Seite gelesen. Schön, daß du meinen damaligen Rat zu schreiben, befolgt hast. Du warst, nein, du bist eine wunderbare Frau und hast dich kaum verändert.“

„Nun mach aber einen Punkt. Wir sind immerhin gut dreißig Jahre älter geworden, Frank.“

„Sagen wir reifer, Cornelia.“

„Du bist der gleiche Charmeur wie einst, Frank, du verteilst immer noch großzügig Komplimente.“

„Aber nur an Menschen, die sie auch wirklich verdienen.“

„Und du glaubst, ich gehöre zu ihnen?“

„Ja, ganz sicher. Soweit ich weiß, hattest du weder einen Sponsor noch eine literarisch bekannte Figur hinter dir stehen. Du mußtest alles aus eigener Kraft schaffen. Das ist eine tolle Leistung, und dafür bewundere ich dich.“

„Du bist gut informiert. Hast du einen Privatdetektiv auf mich angesetzt? Du machst mich richtig verlegen, Frank Mayer mit ay.“ Sie lachte ein herzerfrischendes Lachen.

„Es ist meine ehrliche Überzeugung, Cornelia. Ich möchte dir nicht nur zu deinem Erfolg gratulieren, ich freue mich auch von Herzen mit dir. Dein Mann muß doch sehr stolz auf dich sein.“

„Ich glaube schon. Wolltest du nicht etwas essen?“ wich sie weiteren Komplimenten aus. „Das Hirschgulasch ist sehr zu empfehlen.“

Frank lachte. Er durchschaute ihr Manöver:

„Lenke bitte nicht vom Thema ab. Darin hattest du damals bereits große Übung. Nur war ich zu dem Zeitpunkt ein junger Spund und deiner Überlegenheit nicht gewachsen. Es scheint unser Schicksal zu sein, daß wir einander in einem Café oder Restaurant begegnen. Kannst du dich noch an das Fischlokal mit dem kauzigen Wirt erinnern?“

„Und ob! Dabei wollte ich gar nicht mit dir hingehen.“

„Ich weiß, aber ich hätte alles in Bewegung gesetzt, dich zu überreden. Deine Unnahbarkeit hat mich fasziniert und angezogen. Es war eine besondere Aura, die dich umgab. Ich wäre gern dahintergekommen und wollte sie ergründen. Als ich dann deinen ersten Roman „Schatten der Vergangenheit“ gelesen habe, lag das Geheimnis offen vor mir. Dein Mißtrauen, deine Ablehnung oder deine Vorsicht wurden mir verständlich. Wie du Schmerz und Leid zu ertragen wußtest, hat mich beeindruckt. Ich finde es deshalb toll, daß du, trotz allem, anderen gegenüber dann doch aufgeschlossen bist. Die Presse ist ja des Lobes voll.“