Kapitel 04 Ein Neubeginn

Kapitelübersicht

Die Tür hatte sich gerade hinter ihr geschlossen, als Cornelia noch eine wichtige Frage einfiel. Sie drückte also erneut auf den Summer. Der Personalchef und die Blondine standen mit dem Rücken zu ihr und führten ein sehr anregendes Gespräch. Cornelia wollte sich gerade bemerkbar machen, unterließ es aber. Ihr Instinkt trat in Aktion und im Innehalten hörte sie, wie die Blondine in höchster Erregung Herrn Schneider fragte:

„Und diesen Gendarm haben Sie wirklich eingestellt?“ Er lachte und erwiderte belustigt: „Ja, warum nicht! Sie hat ein souveränes Auftreten, gute Zeugnisse und überhaupt, die Art von Frau Schorn gefällt mir.“

Cornelia zog leise die Tür zu, um nicht als Lauscherin überführt zu werden.

Bei der Dame scheinst du ja einen tollen Eindruck hinterlassen zu haben, dachte sie – Gendarm, nicht schlecht! So hat dich noch keine genannt. Ihr wurde klar, daß sie sich durch ihr forsches Auftreten in der Blondine nicht gerade eine Freundin geschaffen hatte. Die Zukunft mußte zeigen, wie sich das kollegiale Verhalten zwischen ihnen entwickeln würde.

Ein interessantes Arbeitsgebiet, stellte sie bei diversen Schulungen fest. Ihr berufliches Vorwärtskommen beschleunigte sie, indem sie alle zur Verfügung stehende Fachliteratur, Rundschreiben etc. mit nach Hause nahm und Nächte lang darin las, um das gesetzte Pensum zu schaffen. Ihr lag viel daran, zu beweisen, daß das in sie gesetzte Vertrauen gerechtfertigt war und sie es auch in dieser Branche in Kürze zu etwas bringen würde. Peter stellte das nämlich in Frage und behauptete statt dessen: ‚Nur eine verrückte Närrin kann ein solches Experiment überhaupt in Erwägung ziehen.’

Sie war verrückt genug. Außerdem rechnete ihr Mann nicht mit ihrem unbändigen Ehrgeiz, der ihr auch hier über viele Klippen hinweghalf. Einige Wochen später saß bereits eine weitere Kraft an ihrer Seite. Unsicherheiten – nach wie vor vorhanden – überspielte sie geschickt durch Ausflüchte.

Herrn Schneider, einem aufmerksamen Beobachter, entgingen solche Tricks nicht. Er half ihr aufmunternd zulächelnd über diese Pannen hinweg, ohne ihre Autorität zu untergraben oder in Frage zu stellen.

Cornelia fand zu fast allen Belegschaftsmitgliedern, mit Ausnahme von Martha Schulze, der Blondine, ein gutes, wenn auch distanziertes Verhältnis. Martha beobachtete ihr Tun und Lassen mit Argusaugen. Obwohl Cornelia sich bemühte, ihr gegenüber einen besonders höflichen Ton anzuschlagen, baute sich zwischen ihnen eine Mauer auf, die ständig zu wachsen schien. Zuletzt hing eine riesige, schwarze Gewitterwolke über ihnen, mit deren Entladung stündlich zu rechnen war. Ohne Vorwarnung, völlig übergangslos zuckten an einem Vormittag Blitz und Donner, als sich die beiden Frauen in der Kaffeeküche aufhielten. Ein erster Wortwechsel – und die Fetzen flogen. Beide standen sich wutentbrannt, mit hochroten Wangen gegenüber und schleuderten sich die Meinung ungeschminkt ins Gesicht. Noch während sie lauthals diskutierten, sah sich Cornelia plötzlich in eine andere Zeit versetzt, in die Roms. Martha und sie standen als Gladiatorinnen in der Arena. Beide darauf aus, bis aufs Letzte zu kämpfen und den Schauplatz als Siegerin zu verlassen. Martha und sie in eine Art Tunika gekleidet – kurzes Röckchen, ärmelloser Überwurf, der nur eine Schulter bedeckte. Die Füße in offenen Sandalen und mit Lederriemen bis unter das Knie geschnürt. Das gezückte Schwert und eine mit Nägeln bespickte Kugel hielten sie kampfbereit schwingend in Händen.