Kapitel 01 Buchvorstellung

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Der größte Prozentsatz ihres Publikums bestand aus Frauen, und deren Fragenkomplex schien unerschöpflich. Darunter einer, der wiederkehrend lautete: „Wie schwierig ist es, Schriftstellerin zu werden?“ und „Bedarf dieser Beruf eines Studiums?“ „Es würde den zeitlichen Rahmen sprengen, näher auf diese Fragen einzugehen. Eines kann ich Ihnen nämlich versichern, über meine diesbezüglichen Erfahrungen ließe sich fast ein Roman schreiben.“ Eine der Anwesenden nahm die Aussage allzu wörtlich und rief: „Ja, und warum tun Sie es dann nicht? Ein Roman, der die Wirklichkeit schildert und mit den Klischees aufhört, die uns im Film nahe gebracht werden – junge Frau lernt per Zufall Lektor kennen, der stellt sie seinem Verleger vor, welcher sich in sie verliebt, ein paar Komplikationen eingeschlossen, um das Ganze spannender zu machen, und am Ende ist das Buch ein Film. Ich kann mir schlecht vorstellen, daß sich das im wirklichen Leben so abspielt.“ Cornelia mußte der Frau recht geben. Allein der Kampf, einen Verlag zu finden, war zeitraubend, fast mörderisch, und so sagte sie: „Gewiß, die Wirklichkeit ist viel aufreibender. Sie haben mich mit Ihrer Frage zumindest auf eine wunderbare Idee gebracht, wofür ich Ihnen Danke sagen möchte.“ Nach zweieinhalb Stunden Diskussion verabschiedete sich Cornelia von ihrem Publikum.

Als sie das Theater verließ, umfing sie die angenehme Kühle der Nacht. Sie atmete mehrere Male tief durch, um einen klaren Kopf zu bekommen und ging zu Fuß durch die hell erleuchteten Geschäftsstraßen der City. Von einer Kirchturmuhr schlug es gerade 23:00 Uhr. Überall herrschte noch reges Treiben. Junge Leute, Liebespärchen, Touristen und andere Passanten bummelten durch die Innenstadt Münchens. Einige Punks mit zwei Hunden saßen an einer Straßenecke, reichten die Bierflasche herum. Gerade öffneten sich die Türen eines Kinos, an dem Cornelia vorüberging. Menschen strömten heraus, lachten, diskutierten, nahmen für Momente den ganzen Bürgersteig ein, bevor sie sich in alle Himmelsrichtungen verstreuten. Lokale lockten mit ihren Neonreklamen. Irgendwo spielte eine Musikbox. Aus den Straßencafés drang laute Unterhaltung an ihr Ohr.

Sie hatte nicht übel Lust, sich irgendwo still hinzusetzen, sah einen Taxistand und entschloß sich abrupt, ins Hotel zu fahren. Im Hotelzimmer angekommen, ging sie in das sehr komfortabel eingerichtete Bad und drehte den Wasserhahn auf. Sie schüttete großzügig Öl in die Wanne und stieg bald in die Schaumwogen. Cornelia streckte sich genüßlich aus und ließ ihre Seele baumeln.

 

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