Kapitel 01 Buchvorstellung

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Vom Gehörten noch gefangen, herrschte sekundenlange Stille, bevor starker Beifall aufbrandete, der sich erst legte, als zum Abschluß das musikalische Trio noch einmal die Bühne betrat und mit der Meditation aus der Oper Thais von Jules Massenet der Vorstellung einen gelungenen Ausklang verlieh. Schließlich wurde der Saal der Dunkelheit entrissen und wieder in gleißen-des Licht getaucht. Die für Cornelia bis dahin schattengleich wirkenden Besucher nahmen nach und nach Konturen an. Der Veranstalter, ihr Verleger und Menschen, die ihr besonders zu-getan waren, kamen auf die Bühne, um zu gratulieren und auch den Musikerinnen in Cellophan verpackte Blumen zu überreichen.

Erst dann war sie bereit, sich den Blitzen und Fragen der Presse-Fotografen zu stellen:

„Stimmt es, daß bereits nahezu 20.000 Exemplare Ihres Buches verkauft wurden?“

„Dazu fragen Sie bitte meinen Verleger.“

„Haben Sie mit einem solchen Ergebnis gerechnet?“

„So etwas läßt sich nie voraussagen. Sie wissen, Fortuna ist sehr launisch, wenn es darum geht, ihr Füllhorn auszuschütten.“

„Nach einigen Durststrecken sind Sie über diesen Erfolg sicher sehr glücklich, Frau Schorn?“

„Gewiß! Wer wäre das nicht!“

„Haben Sie schon etwas Neues in Arbeit?“

„Können Sie sich eine Schriftstellerin vorstellen, die nicht auf ein Konzept oder unzählige Ideen zurückgreifen kann?“

„Wann ist mit dem Erscheinen Ihres nächsten Buches zu rechnen?“

“Ich weiß es nicht! Lassen Sie mich bitte erst einmal Luft holen und abschalten, bevor ich mich neuen Dingen zuwende.“

„Glauben Sie, daß Ihr nächster Roman auch ein Renner wird?“

„Wenn Sie entsprechende Rezensionen schreiben, das Buch nicht nur empfehlen, sondern auch kaufen, verschenken und die literarischen Größen es verreißen, vielleicht!“

Alles lachte.

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